Zitterspinne
Pholcus phalangioides
Allgemeine Daten
Klasse: Spinnentiere (Arachnida)
Ordnung: Webspinnen (Araneae)
Infraordnung: Araneomorphae
Familie: Zitterspinnen (Pholcidae)
Gattung: Pholcus
Art: Pholcus phalangioides
Lebensdauer: etwa 1–2 Jahre
Giftigkeit: Für Menschen harmlos
Allgemeine Beschreibung
Die Zitterspinne ist in vielen Haushalten fast ein alter Bekannter. Mit ihrem locker gesponnenen Netz in Kellerecken oder unter der Zimmerdecke lebt sie dicht beim Menschen. Auffällig sind ihre extrem langen, dünnen Beine – daher wird sie auch oft mit Weberknechten verwechselt, obwohl es echte Spinnen sind. Bei Störungen beginnt das ganze Netz heftig zu vibrieren, was ihr den deutschen Namen eingebracht hat.
Aussehen
Der Körper der Zitterspinne ist vergleichsweise klein – Weibchen messen 7 bis 10 Millimeter, Männchen etwas weniger. Die Beine dagegen sind enorm lang und wirken geradezu zerbrechlich. Insgesamt erinnert das Erscheinungsbild an einen kleinen Knoten mit sechs Antennen, was natürlich täuscht. Der Hinterleib ist länglich, meist graubraun mit leichter Musterung. Typisch: Im schwachen Licht scheinen die Beine fast durchsichtig.
Lebensraum
Zitterspinnen sind Kulturfolger – man findet sie fast ausschließlich in Gebäuden. Beliebte Plätze sind Keller, Garagen, Dachböden oder Badezimmer. Sie bevorzugen ruhige, wenig gestörte Orte. Im Freien sind sie in Mitteleuropa kaum zu sehen, in wärmeren Regionen hingegen auch draußen an Felsen oder in Mauerritzen.
Verbreitungsgebiet
Ursprünglich stammt die Art wahrscheinlich aus dem Mittelmeerraum oder Vorderasien. Durch den Menschen hat sie sich weltweit verbreitet – von Europa bis nach Nord- und Südamerika, Asien und Australien. Heute gilt sie als eine der häufigsten Hausspinnen überhaupt. Kein Wunder, sie profitiert enorm von geheizten Wohnungen.
Verhalten
Typisch für die Zitterspinne ist ihr Schaukeln. Wird sie erschreckt, setzt sie ihr Netz blitzartig in Bewegung – ein einfacher, aber wirksamer Schutzmechanismus. Ansonsten sitzt sie kopfüber im Netz, wartet geduldig auf Beute und verhält sich unauffällig. Bemerkenswert ist, dass sie manchmal sogar andere Spinnen jagt, etwa kleine Steatoda-Arten. Das dürfte viele überraschen.
Ernährung
Zitterspinnen ernähren sich von allerlei Insekten: Mücken, Fliegen, kleine Motten. Mitunter überwältigen sie auch andere Spinnen, die sich in ihrem Netz verfangen. Sie beißen zu, injizieren Verdauungssäfte und saugen dann die verflüssigte Nahrung auf. Leere Chitinreste bleiben im Netz zurück – eine kleine Sammlung toter Insekten sozusagen.
Fortpflanzung
Das Weibchen trägt seine Eikokons auffällig im Kieferbereich mit sich herum, statt sie im Netz abzulegen. Aus den Kokons schlüpfen nach einigen Wochen die Jungspinnen, die noch eine Zeitlang in der Nähe der Mutter bleiben. Danach verstreuen sie sich – oft nicht weit, schließlich finden sie in Gebäuden schnell eigene Nischen.
Gefahr für den Menschen
Für Menschen sind Zitterspinnen völlig ungefährlich. Zwar besitzen sie Gift, wie alle Webspinnen, doch wirkt es ausschließlich auf kleine Beutetiere. Mythen, sie seien „die giftigsten Spinnen der Welt, deren Zähne zu kurz sind“ – halten sich hartnäckig, sind aber schlicht falsch.
Natürliche Feinde
Ihre Feinde sind vor allem andere Spinnen, die Netze übernehmen oder sie einfach auffressen. Auch Spinnenwespen können ihnen gefährlich werden. In freier Natur fallen sie außerdem Vögeln zum Opfer – im Haus sind sie dagegen erstaunlich sicher unterwegs.
Gefährdung
Eine Gefährdung besteht nicht. Im Gegenteil: Zitterspinnen sind Gewinner der Urbanisierung. Ihre Bestände gelten weltweit als stabil, in vielen Regionen nehmen sie sogar zu. Eine Spinne, die mit dem Menschen zieht, egal wohin – das ist schon bemerkenswert.