Tapezierspinne
Informationen zur Spinnenart
Familie / Ordnung:
Tapezierspinnen / Webspinnen (Araneae)
Lateinischer Name:
Atypidae
Allgemeines
Die Tapezierspinne (Atypidae) gehört zur Ordnung der Webspinnen (Araneae) und innerhalb dieser zur Überfamilie der Vogelspinnenartigen (Mygalomorphae). Weltweit sind rund 43 Arten bekannt, von denen drei in Mitteleuropa vorkommen: Atypus affinis, Atypus piceus und Atypus muralis. Charakteristisch ist ihre verborgene Lebensweise in selbst gegrabenen Erdröhren, die sie mit Seide auskleiden.
Aussehen
Tapezierspinnen haben einen gedrungenen, kräftigen Körperbau. Ihre Grundfarbe ist dunkelbraun bis schwarzbraun. Der Körper ist fein behaart, was ihnen ein samtiges Aussehen verleiht. Weibchen erreichen eine Körperlänge von etwa 1 bis 1,5 cm (ohne Beine), Männchen bleiben meist etwas kleiner. Ein auffälliges Merkmal sind die nach vorn gerichteten, massiven Kieferklauen (Cheliceren), die typisch für Vogelspinnenartige sind.
Lebensraum
Tapezierspinnen bevorzugen warme, trockene Standorte mit lockeren, grabfähigen Böden. Sie finden sich häufig an Waldrändern, auf Trockenrasen, in sandigen Böschungen oder an sonnigen Hängen. Wichtig ist ein Standort, der es ihnen ermöglicht, tiefe Wohnröhren anzulegen und den Fangschlauch gut zu tarnen.
Verbreitungsgebiet
Das Verbreitungsgebiet der Familie Atypidae erstreckt sich über weite Teile Europas, Asiens und Nordamerikas. In Mitteleuropa kommen drei Arten vor, die regional unterschiedlich verbreitet sind. Atypus affinis ist relativ häufig, während Atypus piceus und Atypus muralis seltener anzutreffen sind und bevorzugt an spezifischen Trockenstandorten leben.
Verhalten
Tapezierspinnen verbringen fast ihr gesamtes Leben in selbst gegrabenen, bis zu 50 cm tiefen Erdröhren. Diese Röhren werden sorgfältig mit Seide ausgekleidet. Am oberen Ende bauen sie einen flachen, seidenen Fangschlauch, der über den Boden verläuft und perfekt getarnt ist. Gelangt ein Insekt auf diesen Schlauch, spürt die Spinne die Erschütterungen, beißt durch die Seide hindurch und zieht die Beute in die Höhle. Danach wird der Schlauch wieder repariert.
Ernährung
Die Tapezierspinne ernährt sich vor allem von Insekten und anderen kleinen Gliederfüßern, die zufällig über ihren Fangschlauch laufen. Sie jagt nicht aktiv, sondern verlässt sich ganz auf ihre gut getarnte Falle. Die Beute wird mit einem Giftbiss betäubt und anschließend innerhalb der Wohnröhre verzehrt.
Fortpflanzung
Weibchen können bis zu neun Jahre alt werden und verbringen ihr gesamtes Leben in derselben Röhre. Männchen verlassen ihre Röhren, sobald sie geschlechtsreif sind, um nach paarungsbereiten Weibchen zu suchen. Nach der Paarung sterben die Männchen meist bald. Die Weibchen legen ihre Eier in Kokons innerhalb der Wohnröhre ab, wo auch die Jungtiere eine Zeit lang verbleiben, bevor sie sich eigene Röhren graben.
Gefahr für den Menschen
Tapezierspinnen sind für den Menschen harmlos. Sie sind scheu, verlassen ihre Röhren kaum und beißen nur in äußerster Bedrängnis. Ihr Biss ist nicht gefährlich und mit einem leichten Insektenstich vergleichbar. Begegnungen sind zudem äußerst selten, da sie sehr versteckt leben.
Natürliche Feinde und Gefährdung
Zu den natürlichen Feinden der Tapezierspinne gehören verschiedene parasitische Wespenarten, Laufkäfer, Vögel und gelegentlich auch Kleinsäuger. In Mitteleuropa sind einige Arten durch Lebensraumverlust gefährdet, insbesondere durch die Zerstörung von Trockenrasen und Böschungen. In einigen Regionen stehen sie unter Naturschutz.
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