Spinnen Lexikon alle Spinnenarten von A-Zs

Gewächshausspinne

Parasteatoda tepidariorum

Gewächshausspinne auf einem Spinnennetz

Allgemeine Daten

Klasse: Spinnentiere (Arachnida)

Ordnung: Webspinnen (Araneae)

Infraordnung: Araneomorphae

Familie: Kugelspinnen (Theridiidae)

Gattung: Parasteatoda

Art: Parasteatoda tepidariorum

Lebensdauer: ca. 6–12 Monate

Giftigkeit: Für Menschen harmlos

Allgemeine Beschreibung

Die Gewächshausspinne gehört zu den größten mitteleuropäischen Kugelspinnen. Sie bevorzugt warme, feuchte Orte wie Gewächshäuser oder Keller. Ihr Netz besteht aus einem lockeren Fadenteppich mit klebrigen Fäden im unteren Bereich.

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Aussehen

Die Gewächshausspinne besitzt einen relativ kompakten Körperbau. Weibchen erreichen eine Körperlänge von etwa 5 bis 9 Millimetern, während die Männchen mit 3,5 bis 5 Millimetern deutlich kleiner bleiben. Wie bei vielen Spinnenarten sind die Männchen schlanker gebaut und haben im Verhältnis längere Beine.

Die Grundfärbung reicht von gelblich-braun über grau bis dunkelbraun. Typisch ist ein marmoriertes Muster auf dem Hinterleib (Opisthosoma), das aus unregelmäßigen helleren und dunkleren Flecken besteht. Dieses Tarnmuster hilft der Spinne, sich in ihrem unregelmäßigen Netz oder in dunklen Ecken unauffällig zu halten. Der Vorderkörper (Prosoma) ist meist einheitlich braun und leicht glänzend.

Ein weiteres Merkmal sind die verhältnismäßig langen, dünnen Beine, die oft eine feine Bänderung oder Ringelung aufweisen. Die Spinne sitzt gewöhnlich mit dem Körper nach unten in ihrem Netz, wobei die Beine weit abgespreizt sind. Die acht Augen sind in zwei Querreihen angeordnet, wie es für Kugelspinnen typisch ist, jedoch sind sie mit bloßem Auge kaum erkennbar.

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Lebensraum

Die Gewächshausspinne lebt bevorzugt an warmen, geschützten Orten wie in Gewächshäusern, Kellern oder Dachböden. Im Freien bewohnt sie oft Spalten, Rindenspalten oder die Unterseite von Steinen. Typisch ist ihre Nähe zum Menschen, da sie stabile Mikroklimata und ein reiches Angebot an Insekten nutzt, die durch künstliches Licht angelockt werden.

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Verbreitungsgebiet

Die Gewächshausspinne (Parasteatoda tepidariorum) gilt als kosmopolitische Art. Ursprünglich stammt sie vermutlich aus Südamerika, hat sich jedoch durch den weltweiten Handel und die Nähe zum Menschen auf fast allen Kontinenten ausgebreitet.

Heute findet man sie in Europa, Nord- und Südamerika, Afrika, Asien und Australien. In Mitteleuropa ist sie vor allem in Siedlungsnähe häufig anzutreffen, während sie in unberührten Naturräumen seltener vorkommt. In warmen Regionen lebt sie auch im Freien, in kühleren Klimazonen dagegen fast ausschließlich in Gebäuden und Gewächshäusern.

Durch ihre Anpassungsfähigkeit und hohe Fortpflanzungsrate konnte sie sich in vielen Gebieten etablieren und gehört inzwischen zu den weltweit am weitesten verbreiteten Kugelspinnen.

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Verhalten

Die Gewächshausspinne ist eine typische Vertreterin der Kugelspinnen und fällt durch ihr eher zurückgezogenes, geduldiges Verhalten auf. Sie verbringt den größten Teil ihres Lebens in ihrem Netz, das sie an geschützten Orten errichtet. Dabei handelt es sich nicht um ein klassisches Radnetz, sondern um ein unregelmäßiges, dreidimensionales Gewirr, das im unteren Bereich mit klebrigen Fangfäden versehen ist. Diese Fangfäden enden häufig frei hängend und dienen als Stolperdrähte, an denen sich Insekten verfangen.

Die Spinne hält sich dabei meist kopfüber in einer geschützten Ecke des Netzes auf. Nähert sich ein potenzielles Beutetier, registriert sie die Erschütterungen sofort über ihre äußerst empfindlichen Vibrationssensoren an den Beinen. Mit schnellen Bewegungen läuft sie zur Beute, beißt zu und umwickelt das Opfer zusätzlich mit Spinnseide, um es bewegungsunfähig zu machen. Charakteristisch ist, dass sie ihre Beute nicht sofort verzehrt, sondern häufig im Netz aufbewahrt und erst später aussaugt.

Gewächshausspinnen sind überwiegend nachtaktiv. In den Abend- und Nachtstunden sind sie am aktivsten, da dann die meisten Fluginsekten in ihre Nähe gelangen. Tagsüber ziehen sie sich in kleine Spalten oder in versteckte Bereiche des Netzes zurück, wo sie vor Fressfeinden relativ sicher sind. Wird das Netz beschädigt, reparieren sie es schnell oder bauen es an anderer Stelle neu auf. Insgesamt zeigen sie ein hohes Maß an Anpassungsfähigkeit, was zu ihrer weltweiten Verbreitung beigetragen hat.

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Ernährung

Wie die meisten Spinnen ist auch die Gewächshausspinne ein reiner Fleischfresser. Ihre Hauptnahrung besteht aus kleinen Insekten, die zufällig in ihr Netz geraten. Besonders häufig werden Mücken, Fliegen, Motten und Ameisen gefangen. Auch kleine Käfer oder Springschwänze können zur Beute gehören, sofern sie in die klebrigen Fangfäden laufen.

Nach dem Ergreifen injiziert die Spinne ein lähmendes Gift, das zugleich Verdauungsenzyme enthält. Diese lösen die inneren Organe und Gewebe des Beutetiers auf. Anschließend saugt die Spinne die verflüssigte Nahrung auf, wobei die leere Chitinhülle zurückbleibt. Größere Beutetiere werden oft mit Spinnfäden zusätzlich eingesponnen und im Netz für später aufbewahrt.

Dank dieser Jagdstrategie trägt die Gewächshausspinne indirekt zur Regulierung von Insektenpopulationen im menschlichen Umfeld bei und gilt deshalb als nützlicher Kulturfolger.

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Fortpflanzung

Die Fortpflanzung der Gewächshausspinne folgt dem für Kugelspinnen typischen Muster. Nach einer vorsichtigen Annäherung überträgt das Männchen seine Spermatophoren mithilfe der umgebildeten Pedipalpen an das Weibchen. Während der Paarung bleibt es meist im Netz des Weibchens, zieht sich danach aber oft rasch zurück, da es andernfalls Gefahr läuft, selbst zur Beute zu werden.

Das Weibchen produziert anschließend mehrere Eikokons, die sie aus Spinnseide fertigt und im Netz befestigt. Jeder Kokon enthält zwischen 50 und 200 Eier. Die Kugeln sind milchig-weiß bis gelblich gefärbt und werden von der Mutter sorgfältig bewacht. In warmen Innenräumen können über das Jahr hinweg mehrere Gelege entstehen.

Nach dem Schlüpfen bleiben die Jungspinnen zunächst einige Tage bis Wochen im Netz der Mutter und leben von kleinen Beuteresten oder Nährreserven. Später zerstreuen sie sich, um eigene Netze anzulegen. Unter günstigen Bedingungen erreichen sie nach wenigen Monaten die Geschlechtsreife, wodurch rasch mehrere Generationen pro Jahr entstehen können.

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Gefahr für den Menschen

Die Gewächshausspinne, Parasteatoda tepidariorum, stellt im Allgemeinen keine ernsthafte Bedrohung für den Menschen dar. Zwar besitzt sie Gift, um ihre Beute zu lähmen, doch ist dieses für Menschen normalerweise nicht gefährlich. Ein Biss kann bei empfindlichen Personen zu leichten Hautreaktionen, wie Rötungen, Schwellungen oder Juckreiz führen, vergleichbar mit einem Insektenstich.

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Natürliche Feinde

Obwohl die Gewächshausspinne durch ihre versteckte Lebensweise und ihr Netz einen gewissen Schutz genießt, ist sie dennoch zahlreichen Fressfeinden ausgesetzt. Zu ihren wichtigsten natürlichen Gegnern zählen Vögel, die Netze an Hauswänden oder in Gewächshäusern absuchen und die Spinnen herauspicken.

Auch andere Spinnenarten können zur Gefahr werden, insbesondere größere Webspinnen, die in Konkurrenz um denselben Lebensraum stehen. Spinnenwespen (Pompilidae) gehören ebenfalls zu den spezialisierten Feinden: Sie lähmen die Spinne mit einem Stich und nutzen sie als lebenden Nahrungsvorrat für ihre Larven. Hinzu kommen räuberische Insekten wie Raubwanzen oder Laufkäfer, die Jungspinnen erbeuten können.

Für Jungtiere besteht zudem die Gefahr durch Kannibalismus, da ältere Geschwister oder sogar das Muttertier in Nahrungsengpässen schwächere Tiere fressen können. Insgesamt ist die Mortalität bei Jungspinnen sehr hoch, während adulte Tiere mit ihrer versteckten Lebensweise meist weniger bedroht sind.

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Gefährdung

Die Gewächshausspinne (Parasteatoda tepidariorum) gilt weltweit nicht als gefährdet. Im Gegenteil: Sie profitiert stark von der Nähe des Menschen und hat sich durch ihre Anpassungsfähigkeit an künstliche Lebensräume wie Gewächshäuser, Keller und Wohngebäude global verbreitet. Durch den internationalen Warenverkehr wurde sie in viele Regionen eingeschleppt und zählt heute zu den kosmopolitischen Arten.

In Naturräumen kann es zwar lokale Schwankungen geben, etwa durch klimatische Bedingungen oder Konkurrenz mit anderen Spinnenarten, doch insgesamt weist die Art stabile Bestände auf. Bedrohungen durch Pestizide oder Gebäudesanierungen sind in Einzelfällen relevant, gefährden die Art jedoch nicht im größeren Maßstab.

Aus Sicht des Naturschutzes besteht daher kein Handlungsbedarf. Die Gewächshausspinne ist eine häufige Kulturfolgerin und gehört vielerorts zu den am weitesten verbreiteten Spinnen im menschlichen Umfeld.

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